Im Alltag Gott suchen, finden, lieben ...

 

Seit einigen Jahren finden an den verschiedensten Schönstattzentren für die den Anbetungsschwestern angeschlossene Gebetsgemeinschaft Besinnungsnachmittage statt. Sie sind offen für alle, die am Thema „Gebet“ interessiert sind. Von einem solchen Nachmittag in Schesslitz bericht Frau E.  L. 


Schwester Maribirga, Schönstätter Anbetungsschwester, vermittelt in ihrem Vortrag ,,Du Gott meines Lebens" über 40 Zuhörerinnen im Schönstattzentrum Marienberg neue lmpulse zum meditativen Beten im Alltag.


Sie ist eine Fachfrau in Sachen Beten, doch die Anbetungsschwester ist durchaus kein, „ätherisches Wesen“, sondern eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Einmal im Jahr packt sie ihren Koffer und unternimmt eine Vortragsreise zu verschiedenen Schönstattzentren, um neue spirituelle Impulse zum Beten weiterzugeben.

 

,,Wir leben in einer gottesflüchtigen Welt, in der es nicht ausreicht, als Christ den Gottesdienst zu besuchen", beginnt Schwester Maribirga ihren Vortrag über Spiritualität im Alltag. ,,Wir müssen auch in unserem Alltag Christ sein, Gott suchen und entdecken!"

 

Dies sei mit etwas Achtsamkeit  gar nicht so schwer, erklärt die Schwester. Denn Gott zeige sich oft im Alltag, gerade in den kleinen Dingen. Man müsse Gott eben nur hinter kleinen Ereignissen entdecken.

Als Beispiel nannte sie ihre eigene Vortragsreise, bei der sie seit zehn Tagen mehrere Stunden täglich im Auto unterwegs gewesen sei. Dabei habe sie noch keinen einzigen Stau gehabt. ,,Für mich ist das wie eine Fügung in meinem Alltag", kommentierte Schw. Maribirga. ,,Gott schenkt mir freie Fahrt, weil er will, dass ich die Reise unternehme!"

 

,,Wie ich Gott im Alltag suchen kann, dafür gibt es kein Patentrezept", erklärt die Schwester. Wer schon einen Weg gefunden hat, solle ihn mutig weitergehen. Wer auf die Suche nach Gott gehen will, dem können folgende Regeln helfen:

Stelle den äußeren Lärm um dich herum ab, etwa Radiomusik, und suche die innere Stille! Mache das regelmäßig für einige Minuten am Tag, am besten zu einer festen Zeit. Lasse alles hoch kommen, was in dir aufsteigt.  Denn oft ist die innere Unruhe des Herzens größer als die Geräusche um uns herum. Halte sie Gott im Gebet hin. Übergebe ihm alles.

Habe einen starken Vorsehungsglauben bei den Sorgen, die dich bedrücken. Vertraue auf  die Führung Gottes bei Dingen, die man nicht regeln kann, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll, etwa wenn sich Kinder oder Enkel von Gott abwenden. Man kann für sie beten, reden wäre oft sinnlos. Vertraue darauf: Gott wird es richten.

Sie empfahl uns für die Praxis die Methode, die Pater Kentenich, der Gründer des Schönstattwerkes, gern gelehrt hat:

Wir nehmen uns ein paar Minuten Zeit, verbinden uns mit dem Gott unseres Lebens.

Ü Wir lassen die Ereignisse des Tages an uns vorüberziehen. Wenn uns etwas besonders berührt – Freudiges oder Leidvolles – bleiben wir dabei stehen.

Ü Wir fragen, was Gott uns dadurch sagen will. Wir erleben noch einmal die Empfindungen nach, die wir dabei verspürten.

Ü Wir sprechen mit Gott über unsere Erkenntnisse und Erlebnisse und geben IHM unsere Antwort.

Wenn uns das gelingt, Gott täglich zu begegnen, mit ihm ins Gespräch zu kommen, passiert etwas in unserem Alltag. Wir fühlen uns befreit von Stress und Ängsten und gestärkt durch seine Liebe. Wir bekommen eine andere Ausstrahlung und können diese Kraft an andere weitergeben.

Dann springt etwas von uns auf andere über! Die Kirche und die Welt ändern sich, wenn wir Gott in unseren Alltag mit hineinnehmen!", so betonte die Referentin in ihrem Vortrag.

 

Die Schönstattschwester erzählte eine ganze Reihe von Beispielen, in denen Menschen, durch die Begegnung mit Gott gestärkt, für andere eine große Hilfe wurden.

Beispielsweise von einer Mutter in einem kleinen Ort, deren Sohn ins Gefängnis kam. Obwohl sie sich sehr schämte, fand sie durch Gebete die Kraft, ihren Sohn regelmäßig zu besuchen und ihn zu stützen.

Oder der Fall einer Witwe, die zehn Jahre lang mit Gott wegen des Todes ihres Mannes haderte, bis sie endlich Frieden fand und quasi als Finderlohn Gott und seine Liebe erfahren durfte.

 

Anschließend zeigte Schwester Maribirga ihren Zuhörern eine Powerpoint. Dort wurden in Bild und Ton Situationen aufgezeigt, in denen man spüren konnte: Gott ist im Alltag da. Ob in einer Pfütze, die den Himmel widerspiegelt, oder im verständnisvollen Verhalten einer ICE-Schaffnerin, die Reisenden freundlich und schnell half, als diese merkten, dass sie im falschen Zug saßen, und ähnliches mehr. Den Teilnehmern wurde anschaulich dargelegt, dass der Gott des Leben wirklich der Gott meines Lebens, meines Alltags ist.

 

Nach Kaffee und Kuchen klang der Besinnungsnachmittag mit einer gemeinsamen Anbetungszeit im Schönstattheiligtum aus.

Es waren froh machende, aufbauende Stunden, die uns wieder für den Alltag stärkten und anregten den Gott des Lebens zu suchen, zu finden und zu lieben.